Pia’s Blog

Wie ticken unsere Pflegekräfte?

Die Qualität der Pflege wird ganz maßgeblich von der Persönlichkeit der Pflegenden beeinflusst. Wie einfühlsam gehen sie mit den Pflegebedürftigen um, sehen sie ihre Tätigkeit als Job oder als Berufung? Umso interessanter ist die „Wertewelten-Befragung“ der Offensive Gesund Pflegen die einen Einblick gibt, wie professionell Pflegende sich selbst in der modernen Arbeitswelt sehen. Was ist ihnen wichtig, was weniger? Und: unterscheiden sie sich vom Durchschnitt der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland?

Als Grundlage für die Befragung diente die Studie Wertewelten Arbeiten 4.0. des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die untersucht, wie ein repräsentativer Querschnitt durch die arbeitende deutsche Bevölkerung die heutige Arbeitswelt erlebt. Die Ergebnisse wurden in 7 Wertewelten zusammengefasst, die die Einstellung der Befragten zur persönlichen Arbeitssituation und zur Erwerbstätigkeit allgemein, wiedergeben. Ergänzend führte die Offensive Gesund Pflegen zwischen September und November 2017 eine Befragung unter professionell Pflegenden durch.

Es fällt auf, dass 20,8% der Pflegekräfte zu denjenigen Menschen gehören, denen es wichtig ist, sich in ihrem Beruf selbst zu verwirklichen! Sie empfinden die Abkehr von starren Hierarchien und genau festgelegten Arbeitsabläufen nicht als bedrohliches Mehr an Eigenverantwortung, sondern bringen sich gerne ein. Im bundesdeutschen Durchschnitt sind dies nur 9,7%!

Welchen Wertewelten gehören die Pflegenden an?

Der Wertewelt „Sorgenfrei von der Arbeit leben können“ gehören 21% der befragten Pflegekräfte an (gegen 27,7% aller Befragten). Sie sehen Arbeit als notwendiges Übel für den Lebensunterhalt, hätten gerne mehr Zeit für sich selbst und die Familie und leiden unter zunehmendem Druck in der aktuellen Arbeitswelt. Ihr Blick in die Zukunft ist geprägt von Sorge vor noch mehr Leistungsdruck und Angst vor materieller Not.

20% der Pflegekräfte lassen sich der Wertewelt „In einer starken Solidargemeinschaft arbeiten“ zuordnen– gegen 9,3% aller Befragten: Sie fühlen sich durch ihre Arbeit als wertvoller Teil der Gesellschaft und leiden ebenfalls unter dem zunehmenden Druck in der Arbeitswelt, fürchten aber für die Zukunft weniger materielle Verluste, als vielmehr, den gesellschaftlichen Anschluss zu verlieren.

Im Gegensatz zu den ersten beiden Wertewelten sehen Vertreter der Wertewelt „Den Wohlstand hart erarbeiten“ deutlich mehr Verantwortung beim Einzelnen als bei der Gesellschaft. Zwar empfinden auch sie Modernisierungs- und Rationalisierungsprozesse in der Arbeitswelt als unbarmherzig, sehen aber stärker den Einzelnen in der Pflicht, sich entsprechend anzupassen und die Veränderung als Chance zu begreifen. Dieser Wertewelt wurden 1,6% der in der Pflege tätigen Befragten zugeordnet – gegen 15,2% der Gesamtstichprobe.

In der Wertewelt „Engagiert Höchstleistung erbringen“ sind die Individualisten angesiedelt! Keine Scheu vor Verantwortung, Druck oder geforderter Höchstleistung! Angehörige dieser Wertewelt trauern nicht vergangenen vermeintlich besseren Zeiten nach, sondern empfinden die anspruchsvollen Anforderungen der aktuellen Arbeitswelt als befriedigender und sinnstiftender Ansporn zu immer mehr Leistung. Dazu gehören nur 2,8% der befragten Pflegekräfte – und 11,3% aller Befragten.

Zur Wertewelt „Sich in der Arbeit selbst verwirklichen“ gehören 20,8% der befragten Pflegenden: Sie sehen positiv, dass moderne Arbeit mehr und mehr flexibler wird und mehr Freiraum lässt, sich selbst kreativ einzubringen und starre Hierarchien und Abläufe mehr und mehr der Vergangenheit angehören. In der Gesamtstichprobe tun dies nur 9,7%!

In der Wertewelt „Balance zwischen Arbeit und Leben finden“ sind 22,2% der befragten Pflegenden angesiedelt – gegen 13,8% aller Befragten: Auch die Angehörigen dieser Wertewelt schätzen die Freiräume der modernen Arbeitswelt, sehen in der Arbeit aber nicht ihren hauptsächlichen Lebensinhalt. Flexibilität in der Arbeitswelt wird hauptsächlich als Abkehr von starren Arbeitszeiten wertgeschätzt, die Beruf, Familie und Freizeitgestaltung leichter in Einklang bringen lassen, weniger als Raum für Selbstverwirklichung in der Arbeit. Das Positive überwiegt, Flexibilität wird nicht als beängstigend wahrgenommen.

Die Vertreter der Wertewelt „Sinn außerhalb seiner Arbeit suchen“ wünschen sich generell, dass auch andere Lebensentwürfe als die reine leistungsbezogene Erwerbstätigkeit von der Gesellschaft anerkannt und vom Staat unterstützt werden. Tätigkeiten, die dem Allgemeinwohl oder allgemein der Menschlichkeit dienen, sollten unterstützt werden, die in der modernen Arbeitswelt keinen Platz haben. Dieser Wertewelt wurden 11,5% der in der Pflege tätigen Befragten zugeordnet – und 13% der Gesamtstichprobe.

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Quellen: Digitalisierung in der Pflege, abgerufen unter https://www.inqa.de/DE/Angebote/Publikationen/pflege-4.0.html

http://www.arbeitenviernull.de/fileadmin/Wertewelten/Wertestudie_Arbeiten_4.0-1.pdf

 

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